Griechenland- Der Peloponnes

Betrachtungen zu Raum und Zeit


Ich will ganz ehrlich sein. Ich vermisse die mittäglichen Diskussionen über Quantenphysik ein wenig. Leider ist Birgit und mein gemeinsames Wissen derart gering, dass eine Diskussion zu „Schröder’s Katze" letzte Woche beim Thema Katzenklo endete.

An dieser Stelle deshalb meinen Dank an Dotore Knappe und Professore Heinrich für die unermüdlichen aber völlig fruchtlosen Bemühungen mir zumindest die Grundlagen der Relativitätstheorie näher zu bringen.

Und doch. Auch wenn der Umfang unseres theoretischen Wissens in etwa dem der Taille von Audrey Hepburn entspricht, so sind wir auf der empirischen Ebene um so begabter. Deshalb fallen uns ständig Dinge auf, die wir uns nicht erklären können. Waren dies bisher meistens Beobachtungen bei unseren Kindern, so sind seit Beginn unserer Reise vermehrt zeitliche und räumliche Phänomene hinzugekommen. Hier einige Beispiele.

Unser Wohnmobil besitzt zwei Waschbecken. Eines in der Küche, ein weiteres im Bad. In letzterem konnte wir das noch zu beschreibende Phänomen bisher nicht beobachten. Das liegt daran, dass der zugehörige Wasserhahn seit seiner Inbetriebnahme im kriminellen Milieu am Gardasee tropft. Da auch unsere handwerklichen Fähigkeiten sich kaum von unserem quantenphysikalischen Wissen unterscheiden, konnten wir das Problem bisher nicht beheben und hoffen auf bessere Tage.

Der Wasserhahn in der Küche funktioniert hervorragend und füllt das Becken in regelmäßigen Abständen mit Wasser. Beim Abfliesen desselben bildet sich bekanntlich ein Strudel.

Hier zwei kurze Zwischenfragen:

1.  In welche Richtung dreht sich der Strudel in unserem Wohnmobil?
2.  Würde sich der Strudel in dieselbe Richtung drehen, wenn wir mit unserem Wohnmobil in Australien unterwegs wären?

Wer diese zwei Fragen nicht beantworten kann, weiss über Physik in etwa so viel wie wir. Gratulation.

Jetzt kommt aber erst das wirklich Merkwürdige. Das Wasser in unserem Waschbecken floss nur recht zäh, um nicht zu sagen, so gut wie gar nicht ab. Dies fiel Birgit noch am Gardasee auf. Ich konnte ihr in Teilen zustimmen und wir vereinbarten, den Strudel in den folgenden Tagen näher zu beobachten.

Was geschah nun?

Obwohl wir beide nachweislich den gleichen Strudel beobachteten, wurde der Strudel für mich von Tag zu Tag schneller und für Birgit langsamer. Ich betrachtete deshalb das Problem des langsam abfließenden Wassers als erledigt. Birgit bestand weiterhin auf ein Eingreifen. Obwohl wir bereits den größten Teil unserer freien Zeit in den letzten drei Wochen über Tafelwerken und physikalischen Kompendien verbracht haben, konnten wir bisher noch keine zufriedenstellende Erklärung finden.

Qualifizierte Lösungen können gerne an mail@familie-auf-achse.de geschickt werden.

Ein zweites Ereignis liegt erst wenige Tage zurück. Wir saßen beim Frühstück am Hafen eines kleinen Fischerdorfes irgendwo im Süden des Peloponnes. Die Kinder hatten sich bereits zum Steine werfen ans Meer verabschiedet. In der sich dadurch ergebenden Pause entbrannte zwischen Birgit und mir ein heftiger Streit darüber, welcher Tag heute wäre. Ich tippte auf Montag, den 20.März, Birgit auf Mittwoch, den 29.März. Wir entschlossen und deshalb unseren handgebastelten Kalender auf den aktuellen Stand zu bringen. Im Ergebnis dieser extrem anstrengenden Arbeit ergab sich Freitag, der 7.April. Das Ergebnis überraschte uns beide. Birgit konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen, dass sie doch näher am tatsächlichen Ergebnis gelegen hatte. Regelrecht schockiert hat uns allerdings die Erkenntnis, dass uns nur noch vier Tage bis zur Rückfahrt nach Italien blieben, welche für Dienstag, den 11.April, von einem Hafen im Norden Griechenlands gebucht war. Wie sollten wir das jemals schaffen?

Panik breitete sich aus, so dass wir erst einmal dass beengende Wohnmobil verliesen um wieder atmen zu können. Wir riefen sofort bei der Rederei an und sagten der Dame am Telefon „that we are just not able to take the ferry because we have been lost in time". Sie schlug vor „to go back one year later".

Wir haben jetzt die Rückfahrt nach Italien für den 11.April 2007 gebucht. Gleichzeitig haben wir auch die Fähre nach Island umgebucht. Der Termin erschien uns schon immer verfrüht. Wir fahren jetzt am 3.Juli 2009 und kehren am 8.August 2021 zurück. Das heisst, wir werden irgendwann zwischen 2022 und 2034 durch Norwegen, Schweden und Dänemark reisen. Unser neuer Plan sieht jetzt vor am 20.11.2039 (noch rechtzeitig zu meinem 70sten) wieder in Berlin zu sein.
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