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Griechenland- Das Festland Teil 2
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Höhlenabenteuer
Von Meteora aus begann der Aufstieg in das Pinos-Gebirge. Wir hatten
diese mächtige Bergkette schon einmal überquert, vor 6 Jahren
im kleinen Mietwagen. Damals hatte wir blauäugig die kürzeste
Route auf der Karte gewählt und waren dann mitten in der Nacht
irgendwo im Gebirge hängen geblieben. Diesmal wählten wir
eine gut ausgebaute Schnellstrasse und erreichten den Pass in 1500
Meter Höhe ohne Probleme. Dort blies ein heftiger Wind,
der unser Wohnmobil derart schüttelte, daß
wir beim Mittagessen fast seekrank wurden. Auf der anderen Seite der
Berge wartete ein Attraktion der besonderen Art auf uns.
In Perama, einem kleinen unscheinbaren Bergdorf, verbirgt sich hinter
einem kleinen unscheinbaren Hügel die größte
Tropfsteinhöhle Griechenlands. Nun mögen unwissende Menschen,
und zu dieser Gruppe gehören erfahrungsgemäß 87% der
Leser unserer Reiseberichte, denken, in Griechenland gibt es keine
großen Tropfsteinhöhlen. Diesen 2 Dritteln sei gesagt,
daß es sich bei der unscheinbaren Tropfsteinhöhle im
unscheinbaren Bergdorf Perama um die größte
Tropfsteinhöhle Südeuropas handelt. Passionierte
Höhlenforscher, von denen wir leider auch keinen persönlich
kennen, sind außerdem mit der Tatsache vertraut, daß
Südeuropa die Heimat der schönsten und größten
Tropfsteinhöhlen der Erde ist, womit wir eine logische Kette
ganz im Sinne unserer großen griechischen Vorbilder geschlossen
hätten. Wir standen also vor der größten begehbaren
Tropfsteinhöhle der Welt. Wauuuuuu.
Der Besuch der Höhle war so phantastisch wie
katastrophal. Hugo, der sich zu dieser nachmittäglichen
Stunde bereits jenseits von
Gut und Böse befand, steckte im Tragesack auf meinem
Rücken.Wir hatten uns entsprechend unseren Erfahrungen mit
Tropfsteinhöhlen in Deutschland auf Temperaturen um die 7 Grad
Celsius eingerichtet. Doch schon während wir die zusätzliche
Wattejacken überstreiften befiel mich ein
seltsames Gefühl. Irgend etwas war faul an der Sache. Da war
ich mir ziemlich sicher. Ich wußte nur nicht was.
Wir waren die letzten vier Teilnehmer einer Führung, die bereits
seit
15 Minuten unterwegs war. Eine ältere Dame, die sich in
erstaunlicher physischer
Verfassung befand, legte die 300 Meter bis zur Gruppe in 1 Minute
und 15 Sekunden zurück. Als wir nach 55 Sekunden die 200er
Meter Marke passierten (die letzten 100 Meter waren unsere
stärksten) und ich zum fünften Mal im Hocksitz einen etwa
80cm hohen Durchgang passieren mußte, bemerkte die ältere
Dame mit der Lunge eines Reinhold Messners, daß
„the temperature in this cave stays at a constant 17
degrees Celsius while humitity is about 90%". Genau,
daß hatte ich im Reiseführer gelesen. Doch es war
längst zu spät. Ich hatte weder die Zeit noch
den Platz um Hugo abzusetzen und mir die Wattejacke und das 300er
Jack-Wolfskin-Fleece auszuziehen. Es war zu diesem Zeitpunkt auch
bereits sinnlos. Ein 10cm breiter Schweißbach lief von
meinem Hinterkopf hinunter, neanderte um die Wirbel meiner
Rückenwirbelsäule und endete als ausuferndes Delta knapp
oberhalb des Steises. Um die Qualen zu ertragen hatte ich mir
mittlerweile ein Leidensszenario ausgemalt. Hugo, der ohne Pause
„Papa weiter, großes Penst (Gespenst)" rief, befand sich in
Lebensgefahr und ich mußte Kontakt zur Gruppe halten, damit
wir in den endlosen Weiten dieses unscheinbaren Hügels nicht
verloren und zweifellos vor die Hunde gingen. Das Szenario war gar
nicht so weit von der Realität entfernt.
Mittlerweile hatten wir die Hauptgruppe erreicht. Die ältere Dame
übergab uns an einen jungen Mann, der mich aus mehreren
Gründen an Kosta Kenteris erinnerte. Nicht zuletzt, weil er
die nächsten 200 Meter in einer blendenden Zeit hinlegte.
Ihr fragt euch jetzt sicherlich, wie es Birgit und Theresa erging.
Ich gestehe zu meiner Schande, ich wußte es nicht. Ich hatte
spätestens ab der 600 Meter Marke den Tunnelblick. Doch was flog
da am Rand des Tunnels alles an mir vorbei? Baumannshöhle,
Herrmanshöhle, Rübeland... Es nahm keine Ende. Am Ausgang des
einen Saales wartete bereits der nächste, um so größere
auf uns. Tropfsteine über Tropfsteine. Meterhoch. Wasserfälle
aus Stein. Märchenpaläste mit Türmen und Zinnen. Ich
machte die interessante Erfahrung, daß der Mensch in Phasen
totaler physischer Erschöpfung äußere Eindrücke um
so lebendiger aufnimmt.
Die letzten 200 Meter waren noch einmal die Hölle. Obwohl wir gar
nicht so weit nach unten gestiegen waren, nahmen die Treppen jetzt kein
Ende. Die Decke begann sich wieder herab zu senken und auf den letzten
100 Metern wurde der Gang enger. Hugo und ich blieben
mehrmals stecken, doch es war niemand mehr hinter uns, um uns
einen helfenden Stoß zu versetzen. Als ich schließlich den
Ausgang erreichte, blickte Kosta und der übrige Rest der
Hauptgruppe mit Entsetzen auf mich und den vor Angst bibbernden Hugo.
Ich warf noch einen kurzen Blick in die Runde, sah Birgit mit Theresa
irgendwo weit hinten auf der Erde liegen und nach Luft schnappen und
brach erleichtert zusammen.
Wir brauchten fast drei Tage, um uns von dem Höhlenabenteuer zu
erholen. Gerade noch rechtzeitig schafften wir es nach Dodona, dem
vorletzten Ziel unserer Griechenlandreise. Dodona ist ein altes
Heiligtum. Hier stand einmal eine alte ehrwürdige Eiche, an deren
Wurzeln, der Sage nach, Zeus gelebt hat. Die Eiche gab den
Menschen Antworten auf ihre dringensten Fragen: „Wird es
eine Junge oder ein Mädchen?" „Wann werde ich
befördert?" „Zu welchem Friseur geht meine Nachbarin?" Die
Antworten interpretierten Priester aus dem Rauschen der Blätter
des Heiligen Baumes. Nebenan, sozusagen über die Straße,
befand sich ein großes Theater, mit ungefähr 18.000
Sitzplätzen. Es ist auch heute noch sehr gut erhalten und wir
ließen es uns nicht nehmen, eine kleine Aufführung auf der
großen Spielfläche zu inszenieren.
Zum Glück waren wir bereits am Vortag in Dodona eingetroffen und
hatten es uns auf dem endlos großen Wiesenparkplatz bequem
gemacht. Am Abend speisten wir auf der Sonnenterrasse eines
3-Sterne-Hotels direkt neben der Ausgrabungsstätte. Es war unser
Abschiedsessen von Griechenland - Souflaki, Szaziki, Tomatensalat,
Oliven und Weißbrot - und wir genossen den Blick auf die steilen
Berghänge und die herabsinkende Sonne. Am nächsten Morgen
waren wir, wie in Mykene, unter den Ersten, die Dodona besichtigten.
Deshalb waren wir im Theater auch ganz unter uns und genossen die
Gesänge und Kampfeinlagen von Hugo und Theresa.
Bevor wir auf die Fähre nach Italien stiegen, übernachteten
wir zum letzten Mal in einer dieser kleinen malerischen Buchten entlang
der griechischen Steilküste. Im Sommer hätten wir uns dort
wohl nicht einfach vor die Taverne stellen dürfen, aber am 17.
April kümmerte sich kein Mensch um uns. Die Leute waren nett und
entspannt.
In Ingoumenitsa, der griechischen Hafenstadt, war es an diesem Abend
schwülwarm. Wir erledigten ein paar Wege und nahmen dann mit
Wehmut und in Erwartung neuer Abenteuer Kurs auf den Hafen. Die
Kinder konnten die Fahrt auf der Fähre kaum erwarten. Um 23.50 Uhr
rollten wir mit einer halben Stunde Verspätung auf das Schiff. Wir
packten uns die schlafenden Kinder auf die Rücken und marschierten
um große 20-Tonner herum über das Parkdeck. Hugo wachte auf
und wollte sich das Schiff anschauen. Ich setzte mich um 0:30 Uhr
zusammen mit Truckern aus Deutschland, der Niederlande und Holland in
das Selbstbedienungsrestaurant und wählte „a selction of
cheese" mit leckeren Baguettes. Letztere machten mir klar, daß
wir bald in einem anderen Land sein würden. Die Wehmut
wich und machte Platz für die Erwartung. |
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Flugeinlage auf dem Pass ©

Da passt nur noch eine Hand dazwischen

Hier wird es langsam eng

Tropfsteinparadies

Bizarre Gestalten

Das Theater von Dodona ©

Hugos Velowalker voll im Halteverbot

Mutter und Tochter... ©

...baden in einer Sommerwiese ©

Die Schauspieler während der Aufführung... ©

...und beim Beschweren über die Gage

Unser Genieser hat sich ein nettes Plätzchen gesucht
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