Italien - Kalabrien

Alle Wege führen nach Rom

Bevor wir die „Ewige Stadt" erreichten, lag ein gutes Stück Italien vor uns. Der Stiefel begrüßte uns mit Regen und steifen Brisen im Fährhafen von Bari. Aber das kümmerte uns wenig. Wir fanden sehr schnell einen Hotspot und schauten, wo in Italien das Wetter besser war, denn wir wollten uns ohnehin erst ein bißchen ausruhen, bevor wir auf Entdeckungstour gingen.

So fanden wir uns an diesem Abend bei herrlichem Sonnenschein an der Ostküste Kalabriens, sozusagen gegenüber des Stiefelabsatzes, wieder. Die nächsten 5 Tage auf dem netten Zeltplatz „Il Salice" (vielleicht „Der Salzige") waren unspektakulär, aber erholsam. Am zweiten Tag schwenkte ein großes Schweizer Wohnmobil neben uns ein und von diesem Moment an hatte Theresa den 6-jährigen Caen als Spielgefährten.

Am 6. Tag nahmen wir Kurs auf die Westküste, überquerten ein Gebirge und erreichten am späten Abend Paestum, eine alte griechische Stadt, von der einige Tempel noch fast komplett erhalten sind. Da wir am 24.April dort ankamen, einen Tag vor dem großen italienischen Nationalfeiertag (wer Zeit hat, schaue mal nach, was da genau war), durften wir noch bis in die Nacht hinein italienischer Folklore lauschen. Wir entschuldigen uns an dieser Stelle bei den Kleinkünstlern, aber um 1:15 Uhr stopften wir uns je 200 Gramm Ohropax in die Lauscher.

Am 25.April begingen wir dann gemeinsam mit den Italienern ihren Nationalfeiertag. Zuerst erkundeten wir die Tempel und das Museum von Paestum, gratulierten einem guten Freund vier Tage zu spät zum Geburtstag und beschlossen dann unsere Pizza nicht in einem der Touristenrestaurants entlang der Ausgrabungsstätte zu essen. Somit fanden wir uns wenig später in einer nicht enden wollenden Autokolonne wieder, die vergeblich nach freien Stellplätzen suchte. Wir kurvten durch enge Strassen, verließen teuere Zeltplätze nach riskanten Wendemanövern und verloren allmählich die Nerven. Irgendwann blieben wir dann einfach am Straßenrand stehen und liefen zu Fuß zu einem Boulevard  der stark frequentiert war und direkt zum Strand führte. Wir fanden unsere lang ersehnte Pizzeria und genossen zu allem Überfluß hinterher noch ein Eis. In der Pizzeria lief ein Film von Mr. Bean im Fernsehen und Theresa lachte so laut, daß das ganze Restaurant zu uns hinüber schaute. In Italien ist das allerdings eher ein Kompliment.

Anschließend bummelten wir noch zum Strand, erlebten aber eine böse (italienische) Überraschung. Es war laut, schmutzig und voll. Teenager quälten ihre Motorroller durch den Sand und der Wind trieb uns ketschupbeschmierte Papierteller gegen die Beine. Wir entschieden uns, das Meer zu verlassen und einen einsamen Stellplatz in den nahe gelegenen Bergen zu suchen. Auf dem Weg dorthin sahen wir zahlreiche Büffel, die die Milch für den aus dieser Region stammenden Mozzarella liefern. Wir sahen auch bereits die ersten Casificos (Käsereien), doch diese waren natürlich wegen des Feiertages geschlossen.

Leider verfehlten wir den Weg in die Berge und landeten am Ende doch wieder am Strand. So entschlossen wir uns, über den Müll und die Grillfeuer hinweg zu sehen und warteten einfach darauf, dass sich der Strand gegen Abend entvölkerte. Während Hugo und Birgit ihr verdientes Nachmittagsschläfchen hielten, baute ich gemeinsam mit Theresa Fallen am Strand. Baumaterial (Stöcke, Papier und Pappe) fanden wir reichlich. Gegen Abend verließen dann wirklich die meisten Familien den Strand. Dafür setzte jetzt der Strom der Liebenden ein. Wir waren diesbezüglich schon von italienkundigen Bekannten gewarnt worden. Je einsamer der Stellplatz, desto mehr Liebespärchen kreuzen in der Nacht auf. Das liegt an den beengten Wohnverhältnissen. Die meisten (auch schon verheirateten) Pärchen ziehen das kleine, aber exklusive Auto der Wohnung mit Familie vor.

Zwischen Paestum und Rom lag noch das nicht ganz unbedeutende Pompeji, das Hiroshima des 1. Jahrhunderts. Man kann sagen, was man will, aber mich befiel ein seltsames Gefühl, als ich durch diese Geisterstadt lief, in der 60 und 61 n.Chr. zwei Ausbrüche des Vesuvs Mensch und Tier überraschten und zum großen Teil töteten. Dank eines Giftgasangriffes mit anschließendem Ascheregen blieb alles bestens erhalten und einige übereifrige Archäologen (oder waren es Sataniker) haben Gipsabdrücke von den sterbenden Pompejiern gefertigt und in der Stadt ausgestellt. Aber - so falsch kann die Sache nicht sein, weil noch etwa 8.000 andere Besucher an diesem Tag mit mir durch die Straßen schlenderten.
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Ein Stein im Meer... 
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... Hugo will ihn zerstören...
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... und verfehlt ihn nur knapp.
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Hugo faengt eine Meerjungfrau
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Hugo der Zerstochene
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Paestum


Eine Schlange?!


Am Strand


Paestum hinter Blume 
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