Italien - Latium

Rom

Wie ihr schon wißt, verbrachten wir Birgits Geburtstag in Rom. Das mag eine gute oder schlechte Idee gewesen sein. Jedenfalls haben wir eine Menge erlebt und gelernt. Rom bietet dem Besucher eine ungeheure Anzahl prachtvoller Sehenswürdigkeiten auf engstem Raum. Das muß sich herumgesprochen haben, denn es waren eine stattliche Anzahl von Besuchern vor Ort.

Für den Rom-Unkundigen hier ein schnelle Übersicht unserer wichtigsten Stationen. Kein Besucher sollte das Zentrum des antiken Roms, das Forum Romanum, verpassen. Hier ein Bild des Tempels von Antoninus und Faustina (direkt über dem Kopf des Mannes mit dem schicken weißen Hemd und der Brille):

Oder der Triumphbogen des Septimius Severus (schräg links oben vom Rucksack des etwas kräftigeren jungen Mannes in der rechten Bildhälfte):

Und dann die Spanische Treppe. Ein Meer von Blumen. Und der herrliche Brunnen davor. Eine Pracht:

Hier im zweiten Bild noch etwas näher. Man beachte die herrlichen weißen Standfiguren:

Nach der Sightseeingtour hatten wir Lust auf mehr bekommen und nahmen deshalb noch an einem speziellen Seminar über die Wirtschafts-
geschichte Roms teil. Dort lernten wir folgendes:

Rom erwirtschaftete in der Vergangenheit den größten Teil seiner öffentlichen Einnahmen durch den Ablaßhandel sowie den Verkauf von Reliquien. Allein im heiligen Jahr 1500 kamen schätzungsweise 200.000 Pilger in die Stadt, um sich von ihren Sünden frei zu kaufen und anschließend ein Nasenhaar des Apostel Paulus oder, etwas günstiger, des Apostel Petrus, zu erwerben. Dann kam ein kleiner Mönch aus Sachsen-Anhalt (Red.: wie die meisten großen Deutschen natürlich geborener Thüringer) und machte ihnen den Markt kaputt. Wie jede große Kommune benötigte Rom in dieser Situation eine strategische Neuausrichtung. Man rief deshalb auf oberster Ebene ein diesbezügliches Projekt ins Leben und suchte nach einem in solchen Dingen erfahrenen Berater.

Entsprechend der vatikanischen Bestimmungen wurde das Projekt europaweit im freihändigen Verfahren ausgeschrieben. Die Resonanz war beträchtlich. Am Ende gewann eine kleine Firma aus Berlin, die „Wer wagt - gewinnt"-Beratungsgesellschaft KGavNa (im folgenden kurz WWG genannt) den Auftrag. Die wahren Gründe für diese außergewöhnliche Entscheidung waren bis vor kurzem noch eines der großen Rätsel in der Geschichte Roms. Glücklicherweise entdeckten vor zwei Monaten italienische Historiker in der vatikanischen Bibliothek unter der Kategorie: „Überteuerte, chaotische, aber trotzdem erfolgreich beendete Angelegenheiten" ein 1.500-Seiten starkes Pergament mit einer ausführlichen Projektbeschreibung. Wir geben hier eine kurze Zusammenfassung der damaligen Abläufe:

Die Schriften belegen, dass die WWG den Auftrag vor allem wegen des engagierten und professionellen Auftretens eines ihrer Geschäftsführer gewann. Gleicher Geschäftsführer sorgte allerdings aufgrund seiner beschränkten Lateinkenntnisse für eine Reihe von Kommunikationsproblemen. So bestand zum Beispiel bei Vertragsunterzeichnung Uneinigkeit über die Höhe des verhandelten Stundensatzes. Man einigte sich schlussendlich auf 15 Genuesische Liudore pro Manntag, was eine für die damalige Zeit recht erhebliche Summe darstellte.

Ein weiterer ausschlaggebender Grund für die Wahl der WWG waren zwei durch die WWG bereits sehr erfolgreich abgeschlossene Projekte:

  • die Implementierung eines integrierten Zisternencontrollings in Wutha-Farnroda im Jahr 1515 sowie
  • die erfolgreiche Umsetzung eines Produktmarketings für die "Gerade Gurke" des Burgherrn von Burgwedel im Jahr 1517.
Das Projekt "Morituri te salutant" startete mit einem Kick-Off-Workshop im norditalienischen Luft- und Badekurort Lucca. Aufgrund der Größe und Bedeutung des Projektes nahmen 70% der WWG Mitarbeiter teil. Das Pergament berichtet von strapaziösen, teilweise bis in die frühen Morgenstunden andauernden Diskussionen zum Thema: „Visionen, Ziele und Strategien". Gleichzeitig erwähnt das Papier aber auch die Lieferung von 150 Litern erstklassigen toskanischen Weins sowie einen gemeinsamen Segelturn von WWG Geschäftsführung und Auftraggebern. Aus den Aufzeichnungen kann geschlussfolgert werden, dass es den Alemannen in erstaunlich kurzer Zeit gelang, sich den teilweise sehr widersprüchlichen Lebens- und Feiergewohnheiten ihrer Auftraggeber anzupassen. Es wird erzählt, dass sich die Mitarbeiter der WWG-Nachfolgegesellschaft noch heute fast ausschliesslich von italienischen Speisen ernähren.

Am Ende der Anstrengungen stand ein Konzept zur strategischen Neuausrichtung des Wirtschaftslebens der Stadt Rom. Dieses lautete wie folgt:

Im wesentlichen sollte alles beim Alten bleiben. Statt der Ablassbriefe sollten dieselben unfreundlichen Römer jetzt stark überteuerte Baguettes und Pizzen verkaufen. Das Angebot an christlichen Reliquien sollte vor allem in quantitativer Hinsicht erweitert werden. Auf Vorschlag der WWG sollte z.B. dass gerade erfundene Buchdruckverfahren dazu eingesetzt werden, angebliche Teenagerbriefe des Apostel Johannes in Großauflage heraus zu bringen. Die Marketingabteilung der WWG schlug außerdem eine Erweiterung des Angebotes um Schweizer Uhren und Designertaschen vor, mit dem Ziel, auch moslemische und buddhistische Kundengruppen aus Fernost zu erreichen. Für letztere sollte der Anreiz zum Besuch der Designerläden dadurch erhöht werden, dass man Türwächter an den Eingängen positionierte, die den Zutritt der Kundschaft reglementieren. In einem Zusatzpapier, welches in Geheimschrift abgefasst war, wurde auch der Einsatz professioneller Taschendiebe empfohlen. Es ist allerdings nicht klar, welche Seite diesen Vorschlag unterbreitete. Bekannt ist allerdings, dass die WWG 10% der Diebesbeute als erfolgsabhängige Vergütung erhalten sollte.

Das Konzept erwies sich als Volltreffer.

Nur 8 Monate nach Implementierung des Konzeptes konnte Rom bereits wieder die gleichen Einnahmen wie vor der Revolte des Wittenberger Priesterchens verzeichnen. Heute, im Jahr 2006, ist das Konzept perfektioniert und die römischen Stadtherren denken derzeit über ein Franchisingkonzept nach. Dieses ist auch längst überfällig, hat doch Berlin auf eigene Faust bereits bewiesen, dass sich eine Mauer ohne große Probleme zehnmal verkaufen läßt.

Der erfolgreiche Projektabschluss fand damals im angemessenen Rahmen während einer Predigt im Panthenon in Rom statt. Anwesend waren neben der WWG-Geschäftsführung sowie den Seniorberatern eine Reihe von Römischen Würdenträgern. Ehrengäste waren Papst Leo der X. sowie Karl der V., seinerseits amtierender Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen. Letzterer zeigte, laut Boulevardpresse, unverhohlene Freude darüber, dass seine Landsleute diesen prestigeträchtigen Auftrag an Land gezogen hatten.


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Pompeji
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Hinterhofleben Pompeji



Pflasterstrasse in Pompeji


Fußgängerüberweg auf dieser Pflasterstrasse
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Blühende Judasbaeume


Rom vor dem Sturm


Der Elephant
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Tanzende Kinder in Rom


Ein erschöpftes Kind in Rom


Theresugo bei Autorennen
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Birgits Geburtstagstisch


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Eine weitere römische Erfindung- Butterstück mit Gewichtsskala